Faselloch

Schwurbel No. 2: Buchschwitzen

30. März 2014
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Die Leipziger Buchmesse, das geldtickende Herz des Buchmarktes /
Verlagsoffiziere mit  knappen Gesichtern: Der summende Hype um den großen neuen Stoff, die Neuentdeckung, das Schnappen nach Lesers Gnaden … / 5 Minuten nach Eröffnung: im Imbiss  herrscht Hochbetrieb / rudelnde Pressemeuten, die gelangweilten Ton- und Kameraleute, Reporter melkt eine Zelebrität: „Was haben Sie empfunden, als…“, „Wer waren die Vorbilder für…“ / Banalitäten in glitzerndem Outfit: Randomhouse und Co. Riesenleere. / Der einsame, vereinsamende Verlagsstand, der Verleger, der verlegene, bohrt verschämt in der Nase – „Mnhat ja sonst nichts zu tun“ / Stände mit: Religiöse Abseitigkeiten, Kinderbücher für Greise, Lyrikschwemme. Dichter am Verlagsstand: in schweißnasser Uniform, zögernd, lange verlegen, erschöpft und grau im Gesicht, hungrig nach  selbstverständlichen Dingen: Natürlichkeit, Sympathie /
Auf der Toilette der Stephen-King-lesende Student: Weiß mehr übers Schreiben und den Reiz des Wortes als der affektierte Fernsehaffe, der in die Kamera theoretisiert, soll er, muß auch Geld verdienen. Schreibt selber folgendes: Rechnungen, Einkaufszettel, Proteste. /
Reizend: Bleilaus-Verlag, eine Kindertraube verfertigt Drucke. Ja, wirklich reizend /
Verlag Mückenschwein mit ehrlich begeisterten Leuten vor und hinterm Tresen: Geht doch, das Büchermachen / Amazon-Stand: Graust euch. Öd in Staub und Licht. Glänzende Gesichter, die den Himmel versprechen und den Tod des gedruckten Buches betreiben. Arbeiten Hand in Kopf mit dem Kleinstverleger, der pastellfarben steif und aufrecht schulterzuckend seufzt: Leider, der Markt will keine Experimente! / Betrachten der Menschenkonvois vom Cafétisch aus. Orangensaft für 3.50. Leberkässemmel für 4.50. Die echten Buchmesse-Gewinner sind die Fress-Stände und die Parkplatzverkäufer. /
Rasche Abreise nach Abwicklung des Notwendigen: Grassi-Museum, Künstlerviertel in der ehemaligen Tapetenfabrik, Museum für Druckkunst. Herrliches Sonnenwetter.
Fahnenstangen  und Wortfetzen klappernd im Wind.

Florian L. Arnold – Leipsch – 19/03/2014 und davor …

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